Gefühlsbekundungen
Mai 14, 2008 um 11:41 (Gefühle)
Ich tu mich oft schwer was das Thema Gefühlsbekundungen angeht. Klar meinem Sohn könnte ich tausendmal am Tag sagen dass ich ihn lieb habe, und möchte ihn dauernd knuddeln. Auch meinem Mann teile ich meine Gefühle offen mit. Aber dann hört es auch schon auf. Ich habe oft das Gefühl nicht das richtige zu sagen. Heute habe ich mich wieder so hilflos gefühlt. Obwohl es nur ein paar standardisierte Beileidsworte gewesen wären. Aber für mich fühlte es sich doof an, meiner besten Freundin mein Beileid auszudrücken, obwohl gestern Abend der Patenonkel ihres Sohnes verstorben ist. Und sie sich jetzt nahezu um alles kümmern muss, weil der Verstorbene sonst keine weiteren Angehörigen hat.
Was ist so schlimm dran, sie in den Arm zu nehmen und mein Beileid auszudrücken??? Ich konnte es nicht. Und selbst wenn ich es morgen könnte, wäre es doch irgendwie zu spät. Sie war heute schließlich zweimal bei mir. Ich hab auf ihren Sohn aufgepasst während sie die Angelegenheiten mit dem Bestatter geregelt hat.
Ich fühle mich schlecht weil ich es nicht konnte. Und ich fühle mich schlecht wei ich es auch irgendwie nicht glauben kann dass M. nicht mehr lebt. Es war bekannt, dass er unheilbar krank ist, und zwar schon seit 2 Jahren, aber er war davon überzeugt das er mit dieser Krankheit sicher noch 10 Jahre leben wird. Und deswegen hat er sich auch nix gegönnt. Ist trotzdem noch arbeiten gegangen, obwohl er es nicht musste und es sich auch leisten konnte, das Leben zu genießen. Das letzte was er sich gegönnt hat, war Silvester einen Schluck eines schweineteuren Whisheys. Wahrscheinlich hätte er wegen seiner Medikamente auch net viel mehr vertragen.
Dieser Abend war soo schön, und absolut keiner von uns hätte auch nur im Traum daran gedacht das es der letzte Jahreswechsel mit M. ist.
Und gerade weil es so ein schöner Abend war und wir soviel zusammen gelacht haben, fühle ich mich jetzt schäbig, das mir ein paar einfache Beileidsworte nicht über die Lippen gehen.
Normal bin ich ein seeehr offener Mensch. Aber mir fällt es z.B. auch sehr schwer jemanden in die Augen zu schauen, wenn er mir zum Geburtstag gratuliert.
Ich kenn nur einen Menschen der so ähnlich veranlagt ist, und zwar meinen Patenonkel. Ist es wirklich so, das es vorher bestimmt ist, wer Patenonkel oder Patentante wird? Irgendwas muss da dran sein.
Mein Mann hat die gleichen pedantischen Eigenarten wie sein Patenonkel, mein Schwager ist seinem Patenonkel sehr ähnlich , vor allem was das “große Maul” betrifft.
Und meine ehemalige Klassenlehrerin hat mit vor ein paar Jahren gesagt, dass mein Patensohn sie immer an mich erinnern würde.
Schon sehr seltsam oder.
Jetzt bin ich komplett vom eigentlichen Thema abgekommen. Vlt. ja wieder so eine Verdrängungstaktik. Warum nur?
